Von Autorenteam, Redaktion bei NINAT
Autorprofil ansehen
Seit Mitte 2025 gilt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), und seitdem taucht bei kleinen Betrieben eine Frage häufiger auf: „Muss ich meine Website jetzt barrierefrei machen?“ Die ehrliche Antwort ist unbefriedigend, weil sie lautet: kommt darauf an. Für die allermeisten kleinen Betriebe aus unserem Umfeld – Hofläden, Werkstätten, Praxen – greift die gesetzliche Pflicht nicht direkt. Trotzdem lohnen sich einige der einfacheren Maßnahmen unabhängig davon.
Für wen das Gesetz gilt
Das BFSG richtet sich in erster Linie an bestimmte digitale Dienstleistungen für Verbraucher, etwa Online-Shops mit eigenem Bestellprozess, sowie an bestimmte Produkte. Für Kleinstunternehmen – grob gesagt: unter zehn Beschäftigten und unter zwei Millionen Euro Jahresumsatz oder Bilanzsumme – sieht das Gesetz Ausnahmen vor. Eine klassische Website mit Kontaktformular, ohne eigenen Online-Bestellprozess, fällt bei den meisten kleinen Betrieben ohnehin nicht in den engeren Anwendungsbereich.
Das ist eine grobe Einordnung, keine rechtliche Prüfung deines konkreten Falls. Wer einen Online-Shop betreibt oder unsicher ist, ob eine Ausnahme greift, sollte das im Zweifel verbindlich klären lassen – dazu weiter unten mehr.
Warum es sich trotzdem lohnt
Unabhängig von der gesetzlichen Pflicht sprechen ein paar handfeste Gründe für die einfacheren Maßnahmen:
- Ein größerer Teil der Kundschaft kommt tatsächlich klar. Schwächeres Sehen, Farbfehlsichtigkeit, motorische Einschränkungen – das betrifft mehr Menschen, als die meisten schätzen, und viele davon merken es selbst nicht als „Barriere“, sondern nur als: Diese Seite ist mühsam zu lesen.
- Was für Screenreader funktioniert, funktioniert auch für Google. Klare Überschriftenstruktur, aussagekräftige Alt-Texte, sinnvoll beschriftete Formulare – dieselben Punkte, die Barrierefreiheit ausmachen, sind auch Grundlage sauberer Suchmaschinenoptimierung.
- Mobile Nutzung profitiert direkt. Große Kontraste und klare Struktur helfen genauso beim Lesen in der prallen Sonne auf dem Smartphone wie am Bildschirm.
Die einfachsten Punkte zuerst
Ohne größeren Aufwand lässt sich schon viel erreichen:
- Ausreichend Kontrast zwischen Text und Hintergrund, statt hellgrauer Schrift auf weißem Grund.
- Aussagekräftige Alt-Texte bei Bildern – derselbe Punkt, der auch beim Thema eigene Fotos schon eine Rolle spielt.
- Eine klare Überschriftenstruktur, bei der eine Seite nicht wahllos zwischen Schriftgrößen springt, sondern nachvollziehbar gegliedert ist.
- Formularfelder mit erkennbarer Beschriftung, statt nur mit einem Platzhaltertext, der beim Ausfüllen verschwindet.
- Bedienbarkeit ohne Maus, etwa über die Tabulator-Taste – ein guter Praxistest, der in wenigen Minuten zeigt, wo eine Seite hakt.
Was aufwendiger ist
Ehrlich gesagt gibt es auch Punkte, die nicht nebenbei erledigt sind: Untertitel für Videos, vollständig barrierefreie Buchungsstrecken, umfassende Tests mit echten Screenreadern. Das lohnt sich vor allem dort, wo es tatsächlich gesetzlich gefordert ist oder wo ein Betrieb bewusst ein größeres Publikum erreichen will – nicht als Pflichtübung für jede kleine Website.
Kurz gesagt
Für die meisten kleinen Betriebe ist Barrierefreiheit derzeit keine gesetzliche Pflicht, aber eine Handvoll einfacher Maßnahmen zahlt sich trotzdem aus – für Kunden, die sonst Mühe hätten, und nebenbei für die Auffindbarkeit bei Google. Diese Grundlagen gehören bei uns zur laufenden Website-Betreuung dazu. Wer wissen will, ob das eigene Angebot unter das BFSG fällt, sollte das verbindlich prüfen lassen – meld dich, wenn du unsicher bist, wo du anfangen sollst.
Dieser Beitrag gibt allgemeine Hinweise aus unserer Praxis wieder und ist keine Rechtsberatung. Ob und in welchem Umfang das BFSG für einen konkreten Betrieb gilt, hängt vom Einzelfall ab – für eine verbindliche Einschätzung wende dich an eine Anwältin oder einen Anwalt.
Über den Autor
Autorenteam, Redaktion bei NINAT. Schreibt aus der täglichen Praxis von IT, Prozessen und E-Commerce sowie Social Media, Content und Design – für Menschen, die ihren Betrieb führen und nicht ihre Technik.
Autorprofil ansehen
Lass uns quatschen
Einfach ein Gespräch unter Wegbegleitern – versprochen. Schreib uns, wo du gerade stehst, und wir melden uns zeitnah zurück.
